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Ratgeber

Ferienanspruch Schweiz: Wie viele Ferien dir zustehen und was Arbeitgeber bieten

Das OR garantiert vier Wochen Ferien, unter 20 Jahren fünf. Vergleiche die Ferien nach Alter und Branche und berechne deinen Anspruch bei Teilzeit, Stundenlohn und Stellenwechsel.

Von
jopp
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10 Min.

Das Obligationenrecht gibt dir mindestens vier Wochen bezahlte Ferien pro Dienstjahr, vor deinem 20. Geburtstag fünf. In vielen Verträgen steht mehr. Laut Bundesamt für Statistik hatten Vollzeitangestellte 2025 je nach Altersgruppe durchschnittlich 5,0 bis 5,6 Ferienwochen. Die genaue Gruppe hinter diesen Zahlen findest du im Vergleich weiter unten.

Für dein Stellenangebot kommt es darauf an, wie viele Wochen du tatsächlich frei hast. Altersstufen, zusätzliche freie Tage und vorgearbeitete Zeit können den Vergleich verändern. Bei Teilzeit bleibt die Zahl der Ferienwochen gleich. Wie viele Tage oder Stunden das sind, hängt von deinem Arbeitsplan ab.

Was das Gesetz garantiert

Die folgenden Regeln des Obligationenrechts (OR) gelten für privatrechtliche Arbeitsverhältnisse. Bei öffentlich-rechtlichen Anstellungen gelten die jeweiligen Personalvorschriften. Ein privatrechtlicher Arbeitsvertrag darf die gesetzlichen Mindestferien nicht unterschreiten (Art. 362 OR, Stand 12. Oktober 2026).

Situation Mindestens
Bis zum vollendeten 20. Altersjahr 5 Wochen pro Dienstjahr
Ab dem 20. Geburtstag 4 Wochen pro Dienstjahr
Teilzeit gleich viele Wochen, Tage nach Arbeitsplan
Angefangenes Dienstjahr anteilig zur Dauer der Anstellung
Am Stück 2 Wochen zusammenhängend

Die Wochen pro Dienstjahr und den anteiligen Anspruch regelt Art. 329a OR, die zwei Wochen am Stück Art. 329c OR. Wie Teilzeit gerechnet wird, steht weiter unten.

Das OR sieht ab 50 oder 60 keine zusätzliche Ferienwoche vor. Mehr Ferien können sich aus deinem Vertrag, einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) oder den geltenden Personalvorschriften ergeben. Das Bundesamt für Statistik (BFS) schreibt dazu auf seiner Seite zu den Ferien (Stand 12. Oktober 2026), dass zahlreiche Unternehmen und GAV ab 50 Jahren mindestens fünf Wochen gewähren.

Während der Anstellung darf der Arbeitgeber Ferien nicht mit Geld abgelten. Du sollst dich erholen (Art. 329d OR). Eine laufende Auszahlung des Ferienlohns ist nur in engen Ausnahmefällen zulässig. Was im Stundenlohn und beim Austritt gilt, steht weiter unten.

Wie viele Ferien in Verträgen stehen

2025 hatten Vollzeitangestellte zwischen 20 und 49 Jahren durchschnittlich 5,0 Ferienwochen, die 15- bis 19-Jährigen 5,5 und die 50- bis 64-Jährigen 5,6. Diese Werte nennt die BFS-Seite zu den Ferien. Sie entsprechen der Tabelle 03.02.03.03.01a im BFS-Datensatz.

Die Zahlen schliessen Angestellte in der eigenen Firma aus. Erfasst sind Vollzeitangestellte mit unbefristetem oder mehr als einjährigem Vertrag, die seit mindestens einem Jahr im gleichen Unternehmen arbeiten. Die Daten wurden am 12. Oktober 2026 geprüft.

Ferienwochen nach Alter, OR-Minimum und BFS-Durchschnitt 2025: 15 bis 19 Jahre 5 und 5,5, 20 bis 49 Jahre 4 und 5,0, 50 bis 64 Jahre 4 und 5,6. BFS: Vollzeit ohne eigene Firma, Vertrag unbefristet oder länger als ein Jahr, mindestens ein Jahr im Betrieb.
Gesetzliches Minimum und durchschnittliche Ferienwochen nach Alter. BFS-Daten 2025 für Vollzeitangestellte ohne Angestellte in eigener Firma. Die Einschränkungen nach Vertragsdauer und Betriebszugehörigkeit stehen im Text. Eigene Darstellung: jopp.

Der Durchschnitt hilft dir, ein Angebot einzuordnen. Er gibt dir keinen zusätzlichen Anspruch. Vier Wochen liegen für die Altersgruppen ab 20 unter diesen Durchschnittswerten, erfüllen aber das Minimum des OR. Prüfe deshalb auch, ob ein GAV oder die Personalvorschriften mehr verlangen.

Ferien nach Branche

Nach Branche unterscheiden sich die Ferien wenig. In der BFS-Tabelle nach Wirtschaftsabschnitt (Stand 12. Oktober 2026) liegen fast alle Branchen 2025 zwischen 5,0 und 5,5 Wochen. Die Zahlen gelten für Vollzeitangestellte ohne Personen, die in der eigenen Firma angestellt sind.

Branche Wochen 2025
Land- und Forstwirtschaft 4,6
Baugewerbe 5,1
Handel und Reparatur 5,2
Gastgewerbe 5,3
Gesundheits- und Sozialwesen 5,3
Banken und Versicherungen 5,4
Öffentliche Verwaltung 5,4
Erziehung und Unterricht 5,8
Alle Branchen 5,2

Bei Lehrpersonen zählt das BFS laut einer Fussnote der Tabelle die unterrichtsfreien Wochen, in denen keine Arbeitszeit geleistet wird. Dazu gehört auch freie Zeit zum Ausgleich von Überstunden. Gemeint sind also nicht sämtliche Schulferien. In vielen Branchen bestimmt ein GAV die Ferien. Die folgenden Beispiele gelten für Mitarbeitende im jeweiligen Geltungsbereich des GAV. Beide Verträge sind laut der Liste des SECO allgemeinverbindlich (Stand 12. Oktober 2026):

  • Im Gastgewerbe gelten nach Art. 17 des Landes-GAV fünf Wochen Ferien für die dem L-GAV unterstellten Mitarbeitenden, auch bei Teilzeit. Ausnahmen vom Geltungsbereich nennt Art. 2, etwa für Lernende. Allgemeinverbindlich ist er bis 31. Dezember 2027.
  • Im Bauhauptgewerbe gibt der Landesmantelvertrag in Art. 31 fünf Wochen ab dem 20. bis vor dem 50. Geburtstag, unter 20 und ab 50 sechs Wochen. Allgemeinverbindlich ist er bis 31. Dezember 2031.

Mehr Ferien ab 50 und ab 60

Bei den Psychiatrischen Diensten Graubünden stehen Mitarbeitenden bis 49 insgesamt sechs Wochen freie Zeit zu, von 50 bis 59 sechseinhalb und ab 60 sieben. Darin ist eine Woche enthalten, die während des Jahres vorgearbeitet wird. Die PDGR nennen das einen Ferien- und Kompensationstage-Anspruch. Auch ihre aktuelle Arbeitgeberseite weist auf die vorgearbeitete Woche hin. Beide Seiten wurden am 12. Oktober 2026 geprüft.

Eine solche Regelung ist nicht dasselbe wie sechs Wochen Ferien ohne zusätzliche Arbeitszeit. Frage bei einem Angebot mit zusätzlichen freien Tagen, ob du dafür länger arbeitest oder ob sie ohne zusätzliche Arbeitsstunden gewährt werden.

Auch öffentliche Arbeitgeber staffeln den Ferienanspruch nach Alter. Das Bundespersonal hat nach Art. 67 der Bundespersonalverordnung (Stand 12. Oktober 2026) sechs Wochen bis zum Jahr, in dem es 20 wird, fünf Wochen ab dem Jahr, in dem es 21 wird, sechs ab dem Jahr des 50. und sieben ab dem Jahr des 60. Geburtstags. Die Stadt Zürich gibt vom 21. bis zum 49. Altersjahr vier Wochen, legt aber zusätzlich jedes Jahr sechs Betriebsferientage fest (Stand 12. Oktober 2026). Vergleiche deshalb nicht nur die Wochen, sondern alle freien Tage zusammen.

Wenn du über 50 bist und dir eine Stelle ohne Altersstufe angeboten wird, kannst du danach fragen. Das OR schreibt sie nicht vor. Die Beispiele zeigen aber, dass Arbeitgeber eigene Altersstufen vorsehen können.

Teilzeit: Ferien nach deinem Arbeitsplan

Bei Teilzeit hast du gleich viele Ferienwochen wie bei Vollzeit. Eine Ferienwoche umfasst so viele Tage, wie du normalerweise pro Woche arbeitest. Das Merkblatt Ferien des Kantons Basel-Stadt rechnet es vor (Stand 12. Oktober 2026).

Arbeitstage pro Woche Ferientage bei 4 Wochen bei 5 Wochen
5 20 25
4 16 20
3 12 15
2 8 10

Arbeitest du an fünf Vormittagen, umfasst eine Ferienwoche fünf freie Vormittage. Bei fünf Wochen Ferien sind das 25 solche Arbeitstage. Ein tieferes Pensum bedeutet also nicht automatisch weniger Ferientage.

Achte darauf, ob dein Vertrag in Wochen oder Tagen rechnet. "25 Ferientage" sind bei fünf Arbeitstagen fünf Wochen. Bei drei Arbeitstagen müssten es für fünf Wochen 15 Tage sein. Wie Ferien und Feiertage bei einer Vier-Tage-Woche zusammenspielen, steht im Artikel Vier-Tage-Woche in der Schweiz.

Stundenlohn: der Ferienzuschlag

Auch im Stundenlohn wird der Ferienlohn grundsätzlich dann bezahlt, wenn du Ferien beziehst. Eine Auszahlung mit jedem laufenden Lohn kommt nur ausnahmsweise bei sehr unregelmässiger Teilzeitarbeit infrage, wenn die Auszahlung während der Ferien praktisch nicht durchführbar ist. Bei Vollzeit reichen schwankende Stunden oder Monatslöhne dafür nicht aus. Das Bundesgericht hat diese enge Grenze im Urteil 4A_357/2022 bestätigt.

Ist die Ausnahme zulässig, muss der Ferienanteil im schriftlichen Arbeitsvertrag und auf jeder Lohnabrechnung separat als Betrag oder Prozentsatz stehen. "Ferien inbegriffen" genügt nicht. Der Anspruch auf freie Ferienzeit bleibt bestehen. Das erklären auch die Ferien-FAQ des SECO. Die folgenden Zuschläge nennt das Merkblatt des Kantons Basel-Stadt. Stand der Prüfung ist der 12. Oktober 2026.

Ferien pro Jahr Zuschlag auf den Stundenlohn
4 Wochen 8,33 %
5 Wochen 10,64 %
6 Wochen 13,04 %

Die Prozentsätze ergeben sich aus Ferienwochen geteilt durch Arbeitswochen. Bei vier Wochen Ferien arbeitest du 48 von 52 Wochen: 4 ÷ 48 = 8,33 Prozent. Bei fünf Wochen sind es 5 ÷ 47 = 10,64 Prozent.

Ein Beispiel: Dein Grundlohn beträgt CHF 28.00 pro Stunde, du hast fünf Wochen Ferien. Der Ferienzuschlag macht CHF 2.98 aus, zusammen also CHF 30.98 pro Stunde. Prüfe bei einem Angebot im Stundenlohn, ob der genannte Betrag den Zuschlag schon enthält. Gilt ein GAV, kann er einen eigenen Satz vorgeben. Der Landes-GAV des Gastgewerbes nennt zum Beispiel 10,65 Prozent für fünf Wochen.

Feiertage sind im Stundenlohn ein eigenes Thema. Laut SECO (Stand 12. Oktober 2026) muss nur der 1. August auch im Stundenlohn von Gesetzes wegen bezahlt werden. Andere Feiertage werden im Stundenlohn nur bezahlt, wenn Vertrag oder GAV es vorsehen.

Ferien beim Stellenwechsel

Beim Stellenantritt

Fängst du unter dem Jahr an, hast du für das erste Jahr anteilig Ferien. Ein Beispiel: Du beginnst am 1. September, der Vertrag gibt 25 Ferientage pro Jahr. Bis Ende Dezember sind das 25 × 4 ÷ 12 = 8,3 Tage, sofern der Vertrag nach Kalenderjahr rechnet. Ferien, die du schon vor dem Stellenantritt gebucht hast, sprichst du am besten vor der Unterschrift an.

In der Kündigungsfrist

Nach einer Kündigung sollst du restliche Ferien grundsätzlich in der Kündigungsfrist beziehen. Laut SECO (Stand 12. Oktober 2026) kommt es darauf an, wer gekündigt hat. Hast du selbst gekündigt, ist der Bezug in der Regel zumutbar. Hat der Arbeitgeber gekündigt, brauchst du Zeit für die Stellensuche. Dann zählt das Verhältnis zwischen der Länge der Kündigungsfrist und der Zahl der restlichen Ferientage. Ein festes Verhältnis gibt es nicht. Bei einer kurzen Kündigungsfrist und vielen Ferientagen hast du Anspruch auf Auszahlung.

Was nicht verfällt

Ferienansprüche verjähren grundsätzlich nach fünf Jahren. Die Frist läuft ab der Fälligkeit des jeweiligen Anspruchs. Das ist nach BGE 136 III 94 der vereinbarte oder vom Arbeitgeber festgelegte Ferienzeitpunkt. Fehlt eine solche Festlegung, zählt der letzte Zeitpunkt, zu dem du die gesamten Ferien noch im betreffenden Dienstjahr beziehen könntest. Die Frist beginnt deshalb nicht pauschal am Jahresende.

Eine Vertragsklausel, nach der gesetzliche Ferien Ende März verfallen, kann diese Frist nicht verkürzen. Das folgt aus Art. 128 bis 130 OR. Vereinbare den Bezug offener Tage trotzdem frühzeitig. Was nach einer Kündigung sonst noch wichtig ist, steht im Artikel Kündigung erhalten.

Wann der Arbeitgeber Ferien kürzen darf

Nach Art. 329b OR (Stand 12. Oktober 2026) darf der Arbeitgeber Ferien nur bei längeren Abwesenheiten kürzen:

  • Bist du durch eigenes Verschulden insgesamt mehr als einen Monat im Dienstjahr abwesend, darf er die Ferien für jeden vollen Monat um einen Zwölftel kürzen.
  • Bist du ohne Verschulden abwesend, etwa wegen Krankheit, Unfall oder Militärdienst, darf er bis zu einem Monat nicht kürzen. Laut dem Merkblatt des Kantons Basel-Stadt gilt ab dem zweiten vollen Monat ein Zwölftel pro Monat.
  • Wegen einer Schwangerschaft darf er bis zu zwei Monaten nicht kürzen.
  • Wegen Mutterschaftsurlaub, Urlaub des anderen Elternteils, Urlaub nach dem Tod der Mutter und Adoptionsurlaub darf er gar nicht kürzen. Das gilt auch für den Betreuungsurlaub nach Art. 329i OR für ein gesundheitlich schwer beeinträchtigtes Kind.

Wirst du in den Ferien krank oder verunfallst du, kannst du die Ferien nachholen, wenn du dich deshalb nicht erholen kannst. Das hält das SECO fest (Stand 12. Oktober 2026). Laut dem Merkblatt des Kantons Basel-Stadt musst du die Krankheit deinem Arbeitgeber sofort melden.

Den Zeitpunkt der Ferien bestimmt der Arbeitgeber, er muss aber auf deine Wünsche Rücksicht nehmen, soweit es der Betrieb zulässt (Art. 329c OR). Das SECO empfiehlt, die Ferien in der Regel mindestens drei Monate im Voraus festzulegen.

So vergleichst du die Ferien in einem Angebot

Bei gleichem Jahreslohn ist eine zusätzliche Ferienwoche etwa so viel wert wie 2 Prozent mehr Lohn. Mit vier Wochen Ferien arbeitest du ohne Feiertage 48 Wochen im Jahr, mit fünf Wochen 47. 48 ÷ 47 ergibt 1,021, also rund 2,1 Prozent mehr Lohn pro gearbeitete Woche.

Diese Fragen helfen dir beim Vergleich:

  1. Rechnet der Vertrag in Wochen oder in Tagen, und wie viele Tage sind es bei deinem Pensum?
  2. Gibt es Altersstufen, und ab welchem Alter oder Dienstjahr greifen sie?
  3. Gibt es Betriebsferien, die von deinen Ferientagen abgezogen werden, oder zusätzliche freie Tage wie in der Stadt Zürich?
  4. Gilt ein GAV, der mehr Ferien vorschreibt als der Vertrag?
  5. Im Stundenlohn: Ist der Ferienzuschlag im genannten Betrag enthalten, und steht er separat auf der Abrechnung?
  6. Wie viele Feiertage gelten an deinem Arbeitsort, und werden sie bezahlt?

Bietet dir eine Stelle vier Wochen, kannst du nach einer fünften Woche oder einem Ausgleich beim Lohn fragen. Lass dir die vereinbarten Ferien und allfällige Altersstufen im Vertrag bestätigen. Wie du Lohnangaben und Mindestlöhne einordnest, steht im Artikel Mindestlohn in der Schweiz.

Quellen

  1. Obligationenrecht, Art. 329a bis 329d

    Bundesversammlung, Fedlex · Abgerufen am

  2. Ferien, vertraglich festgelegte Ferienwochen

    Bundesamt für Statistik · Abgerufen am

  3. FAQ zu Ferien

    Staatssekretariat für Wirtschaft SECO · Abgerufen am

  4. FAQ zu Kündigung

    Staatssekretariat für Wirtschaft SECO · Abgerufen am

  5. Merkblatt Ferien

    Kanton Basel-Stadt, Amt für Wirtschaft und Arbeit · Abgerufen am